Neue Armut, Irans Raketen, Ökologisches Jahrhundert, Wirtschaftskrise, UNO-Sozial,
7. Februar 2010 von admin
Wie Hans im Glück
In Davos diskutierte die wirtschaftliche Show-Elite nicht nur die Zukunft der Bank- und Finanzmärkte, sondern auch eine neue Wirtschaftsethik. Ob sie dabei neue Ideen gewonnen hat, wurde nicht bekannt. Vielleicht hätte sie weniger über Wirtschaftsethik und mehr über die Ziele ihres Wirtschaftens nachdenken sollen. Oder hat sie genau das getan?
Klaus Wübbenhorst von der der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwartet im Jahr 2010, dass die Krise bei dem Verbraucher ankommt, der bisher von der Krise wegen niedrigerer Preise eher profitiert hatte. Jetzt würden bald 27% der Haushalte unmittelbar von der Wirtschaftskrise betroffen. Arbeitslosigkeit und die Angst vor dem Stellenverlust führten dazu, dass sich das Konsumverhalten der Bürger deutlich ändert. Die Menschen würden gezwungen, sich selbst bei den Gütern des täglichen Gebrauchs massiv einzuschränken und ihren Verbrauch um erstaunliche zehn Prozent zu senken. Sehr erfreulich sei dagegen, dass sich 46% der Bürger überhaupt keine Sorgen um die Krise machen müssten, da sie zur Zeit noch ein ausreichendes Einkommen, einen sicheren Arbeitsplatz bzw. eine gute Rente/Pension besäßen. Nur noch 46%?!
Dergleichen „Analysen“ werden in der Regel mit bedenklicher Miene vorgetragen. Dabei liegen die Ergebnisse durchaus auf der Linie des Programms, das die Bundesregierung über das Bundesumweltministerium im September 2008 veröffentlicht hat: „Die Dritte industrielle Revolution – Aufbruch in ein ökologisches Jahrhundert, Dimensionen und Herausforderungen des industriellen und gesellschaftlichen Wandels“. Das Konzept wurde auf der Tagung „Die große Transformation; Klimawandel als Motor für einen globalen Kulturwandel“ (original aus dem Englischen) vom 8. bis 10. Juni 2009 in Essen an etwa 500 „Journalisten und Wissenschaftler“ (nur an sie erging ausdrücklich die Einladung der Veranstalter) zur weiteren Meinungsmache durchgereicht. Was der Klimawandel nach Kopenhagen (noch) nicht geschafft hat, muss die Krise bewerkstelligen: den Konsum zurückfahren!
Mit den Krankenkassenbeiträgen fängt es einstweilen an, andere Überraschungen werden folgen: Zukunftsbedeutsame Energiepreise, Beschäftigungs- und Steuermodelle. Der Emissionshandel ist die ideale, quasi marktwirtschaftliche Stellschraube an den schicksalhaften Energiepreisen. Das haben der Regierung nun sogar Ganoven abgeschaut. Am 28.01.2010 wurden zahlreiche Konto-Daten im Emissionshandelsregister ausgespäht und ihre Inhaber – Nutzer des deutschen Emissionshandelsregisters der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt in Berlin – durch gefälschte Angebote um 3 Mio € betrogen. Die Leute hatten bei den Gangstern ungültige Verschmutzungsrechte gekauft. Die Aufregung in den Medien war groß. Ihnen ist aber entgangen, dass solche Rechte von der Behörde willkürlich „gültig“ gemacht und damit ohne Arbeit zur Verhaltenssteuerung der Bürger aus dem Nichts „Werte“ geschaffen werden, die insbesondere für das Klima ohne jeden Wert sind. Einnahmen, die mit solchen Rechten erzielt werden, sind, weil ihnen kein Wert entgegen steht, Preistreiberei. Mit ihnen werden – ähnlich wie mit der unberechenbaren Wind- oder Sonnenenergie – weder Güter, noch zusätzlich Energie geschaffen (nur zusätzliche Abwärme bei den vorgehaltenen thermischen Kraftwerken). Sie verteuern alle unter Einsatz von Energie produzierten Güter willkürlich. Das weiß jeder, der nachdenkt. Aber die meisten finden das gut und bezahlen es über den Strompreis und die Preise der damit erzeugten Güter. So will es die gewählte Regierung.
Die Analysten von Allianz Global Investors glauben zwar immer noch den Anfang eines neuen Aufschwungs als Beginn der „sechsten Kondratieff-Zyklus-Aufwärtswelle“ zu erkennen. Auch dieser soll wieder von den Industrieländern ausgehen. Sie hoffen dabei auf die Megatrends „Globalisierung, Demografie, Bio-, Nano- und Umwelttechnologie“, die den Weg zu einer „Wissensökonomie“ vorzeichnen sollen. Zum Auslösen eines neuen Kondratieff-Zyklus bedürfte es einer neuen Technologie, die die Produktivität deutlich anhebt. Eine solche ist nicht in Sicht. Dem entsprechend müsste die Wissensökonomie von so etwas wie gesteigertem Bewusstsein leben (Gurus sollen das können). Der Senior-Kapitalmarktanalyst dieses Finanzinvestors, Dennis Nacken, glaubt dagegen, das künftige Wachstum lasse sich aus einer neuen Mischung aus Ökonomie, Ökologie und gesellschaftlichem Engagement generieren. Möglicherweise bringt eine solche Mischung neue Arbeitsplätze (etwa zum Antrieb der Windturbinen, wenn gerade kein Wind weht), aber sie produziert mit Sicherheit kein Realeinkommen. Vielleicht wird das zugleich mit der Güterproduktion schwindende Realeinkommen demnächst mit „Bezugsscheinen“ (die nach Robert Koch etwa fürs Putzen von Solaranlagen ausgestellt werden könnten) wieder etwas „gleicher“ verteilt, bis die „Demographie“ ihre Wirkung tut und die Bevölkerungsdichte den ökologisch gewünschten Standards anpasst. Dem „wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel“ wurde seit 1972 ideologisch vorgearbeitet, so dass die Mehrheit der Deutschen – laut Medien – will und wie die Rot-Grünen sogar aktiv anmahnen.
Wie bisher sind auf diesem Weg, wenn auch nicht bei der Ideologe, die USA die Vorreiter: Hausbesitz wird versteigert, die Arbeitslosigkeit steigt, und die Menschen werden ärmer! Die Zahl der Beschäftigten ist im Dezember in 39 US-Staaten zurückgegangen, in sieben mehr als im Vormonat. Stellen werden abgebaut, weil ihre Erzeugnisse wegen der Armut aus Transformationsgründen unverkäuflich werden. Die Zahl der Lohnempfänger ist in Kalifornien im vergangenen Monat mit weiteren -38.800 am stärksten gefallen, veröffentlichte das Arbeitsministerium in Washington in der 4 Kalender Woche. Texas folgte mit -23.900 und Ohio mit -16.700. Eine von Associated Press bezahlte „Analyse“ zeigt, dass die umfangreichen „Konjunkturausgaben“ keine Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten hatte. Man hatte Landkreise, die besonders viel Geld aus dem Konjunkturprogramm eingesetzt hatten, mit denen verglichen, die das nicht taten. AP konnten keinen Zusammenhang zwischen den Ausgaben und der Entwicklung der Beschäftigungszahlen feststellen. Lag das an der Dusseligkeit der Beamten oder an der insgeheim schlau eingeleiteten Transformation der Industriegesellschaft? Natürlich: „Reine Dummheit! Wäre es anders, müsste man am guten Willen zweifeln.“ Doch gibt es Gründe, überhaupt „guten Willen“ zu unterstellen?
Das Brookings Institution bot gleichzeitig eine andere Studie an. Danach leben bereits 30% der US-Bevölkerung entweder in Armut oder auf dem Weg dahin. Dem Bericht nach sind das bereits 39,1 Millionen Amerikaner. Das ist Entwicklungsländerniveau – nur entwickelt hier niemand etwas. Viele Städte haben bereits die zunächst vorgesehene Armutsquote von 30% erreicht – genannt werden Cleveland, Detroit, Youngstown, Buffalo, Syracuse, Dayton und Hartford, Connecticut. Die Armut steigt in den Vororten am schnellsten, heißt es. Dort leben die Selbstständigen, der Mittelstand und das sogenannte Bildungsbürgertum, Leute die potentiell noch selbst denken können sollten, wenn sie wollten. Die müssen im Sinne des Bankier-Sozialismus (den Karl Marx in seiner Aufzählung der Sozialismen im „Kommunistischen Manifest“ wohl auf Wunsch seiner Auftraggeber überging), möglichst ausgeschaltet werden. Einen der neuen US-Rekorde hat Brookings allerdings nicht erwähnt: Ungefähr 40 Millionen Amerikaner leben bereits von Lebensmittelmarken.
Von gewissen Ausgleichbemühungen in Bezug auf die Globalgesellschaft berichtete Juri Woronin, Stellvertretender Minister für Gesundheit und Soziales in Russland auf der 48. Tagung der UNO-Kommission für soziale Entwicklung in New York am 04.02.2010. Der Anteil der einkommensschwachen Bevölkerung in Russland sei in den zurückliegenden zehn Jahren von 29 auf 15 Prozent zurückgegangen. Das ist durchaus ein Erfolg. Aber dies sei, wie er feststellte, nur der Bemühung der Regierung zu verdanken, die inzwischen die Löhne für die Staatsbediensteten und die Renten in vollem Umfang bezahle und die Beihilfen an die Inflation anpasse – was vorher offensichtlich nicht der Fall war.
“2009 kam es erstmals seit vielen Jahren zu einer Verringerung des Gefälles beim Geldeinkommen diverser Bevölkerungsschichten”, auch das ist zweifellos positiv zu bewerten, nicht allerdings die Begründung: „2009 wurden die sozialen Verpflichtungen des Staates gegenüber den Bürgern praktisch in vollem Umfang erfüllt.” Der Staat regelt das, nicht die produktive und möglichst selbstbestimmte Arbeit der Bürger. Auch das also ein Moment der international angestrebten Transformation der Industriegesellschaft.
Die am 3.2. eröffnete neuntägige Tagung wird die Umsetzung der Beschlüsse des globalen sozialen Gipfels von 1995 in Kopenhagen auswerten. Damals hatten Staats- und Regierungschefs aus 117 Ländern eine Erklärung über die soziale Entwicklung angenommen und sind damit konkrete Verpflichtungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen (was man wohl darunter verstanden haben mochte?) eingegangen. Zur Vorbereitung des sozialen Gipfeltreffens hatte 2000 eine Sondertagung der UNO-Vollversammlung in Genf stattgefunden. Ausgerichtet werden diese Aktivitäten von der UNO-Kommission für soziale Entwicklung, einem Organ des Wirtschafts- und Sozialrates (ECOSOC) der UNO. Sie erstellt die Kriterien der allgemeinen Sozialpolitik, setzt deren Prioritäten und verfolgt die Umsetzung der vorgegebenen Standards in diesem Bereich auf internationaler Ebene. Hier liegt die eigentliche Adresse, falls Sie Klagen über Ihr Auskommen haben. Die Bundesregierung, das Bundesumweltministerium, die Rot-Grünen in allen staatlich finanzierten Bundesparteien sind ausführende Organe und gegebenenfalls die Poster, auf die Sie bei Unzufriedenheit eindreschen sollen. Entlastet das diese Bundesgremien? Ich denke, nein! Wer Verantwortung zu tragen vorgibt, soll sie auch ertragen, egal wer („Freimaurer“, „Illuminaten“, „die Rothschilds, Rockefellers, Briten“, „die Hochfinanz“ usw.) ihn an welcher Strippe führt. In dieser Beziehung sollte man durchaus Gegner von Verschwörungstheorien sein.
Übrigens, wenn es ihre Angst vor Krieg beruhigen kann, weil es den Schwellwert des Kriegsbeginns höher hängt: Mit einer Trägerrakete des Typs Kavoshgar-3 aus eigener Produktion hat der Iran am 3.2. eine Kapsel “mit Lebewesen” (Mäuse, Schildkröten und Würmer) ins All geschickt, teilte die Nachrichtenagentur FARS unter Berufung auf den iranischen Verteidigungsminister Ahmad Vahidi mit. An dem Projekt war über zwei Jahre gearbeitet worden. Der 1. Teststart erfolgte im Februar 2008 der 2. Im November 2008 mit Forschungsapparaten, die 40 Minuten nach dem Start zur Erde zurückkehrten. Außerdem stellte Iran am Mittwoch seine neue Trägerrakete “Simorg” für die die Satelliten Tolu, Mesbah-2 und Mehdi vor, die von iranischen Wissenschaftlern entwickelt wurden.
Es ist nicht alles so hinterwäldlerisch im Iran, wie Ihnen unsere Medien erzählen. Die iranischen Raketentests rufen in der Welt (wer ist das wohl) große Besorgnis hervor: Dies sei, so Experten, ein Zeichen dafür, dass Teheran kurz vor der Herstellung ballistischer Raketen großer Reichweite steht. Was ist daran so schlimm? Es hängt nur die Schwelle für eine US-Invasion höher. Irgendwohin ist die Begeisterung für wissenschaftlich-technische Problemlösungen aus unserem Land emigriert – nach Iran oder China? Hauptsache, sie ist nicht gänzlich im Zuge der Transformation der Industriegesellschaft untergegangen!
Der Chef der iranischen Gas Engineering and Development Company, Ali Reza Gharibi, hat bekannt gegeben, ein aus naheliegenden Gründen nicht genanntes deutsches Unternehmen habe mit einem iranischen Unternehmen einen Milliarden-Vertrag über die Zusammenarbeit unter Nutzung des eigenen Know-Hows geschlossen. Dabei geht es um den Bau von 100 Turbo-Kompressoren zur Erdgasbeförderung oder zur Umwandlung von Erdgas in Flüssiggas. Nicht alle Deutschen sind offensichtlich von der vorgesehenen Transformation begeistert. Und Sie?
Helmut Böttiger