Der nächste Spatz erst zum 8.1 2011. Prost Neujahr
24. Dezember 2011 von admin
Glück und Sinn der Weihnacht
Wo „jingle bells“ nicht alles übertönen, werden Menschen zu Weihnachten trotz aller Festtagshektik gerne ein wenig besinnlich und denken in einer stillen Stunde, wenn sie sich eine solche genehmigen, alten, meist Kindheitserinnerungen nach. Der Spatz hat in den 12 Jahre, seit es ihn gibt, zu Weihnachten immer wieder neu über Weihnachten und seine gar nicht gefühlige und verträumte sondern für manche sogar ärgerliche Bedeutung nachgedacht.
Wieder feiert die Christenheit am 24.12. die Menschwerdung Gottes anstelle des imperial-römischen Sol invictus. Ein schwieriges Fest, das der Reklame-Rummel schon fast erfolgreich wegbanalisiert hat. Mit dem Glauben an die Menschwerdung Gottes (dem Gegenteil von der Vergöttlichung des Menschen im antiken Mythos) stellte die Christenheit einst ein fundamentales Ärgernis dar – das gilt noch heute für die Gläubigen der monotheistischen Religionen, Islam und Judentum.
An die Stelle des allmächtigen, alles kommandierenden, transzendenten Gottes, des deus absconditus, tritt einer, der am Ende der damaligen Welt in einem Stall geboren wurde, ein deus revelatus, ein „enthüllter, entblößter“ Gott. Zum Ärgernis kann das aber nur werden, wenn man schon weiß, was unter dem Begriff „Gott“ zu verstehen ist. Für die meisten steht der Begriff Gott für das Fragezeichen hinter mehr oder weniger prinzipiell unbeantwortbaren Fragen, etwa: Wie kam es zu der Welt, wann und wie hat alles begonnen, wo liegen die Grenzen in Raum und Zeit, oder nach einem bekannten Buchtitel: Wer bin ich und wenn ja , wie viele?
Das Christentum spricht wie die anderen monotheistischen Religionen auch von Gott als dem „Schöpfer Himmels und der Erden“. Aber selbst da stellt sich noch die Frage, was ist darunter zu verstehen? Ist ein Macher gemeint, der wie ein Tischler einen Tisch aus Holz so dialektisch das Universum, das Alles aus dem Nichts erschuf? Es ist offensichtlich, dass ein solch allmächtiger und allwissender Obermacher nichts mit dem Kind in der Krippe oder dem Nicht-Linientreuen am Kreuz gemein zu haben scheint und daher die Behauptung „wahrer Gott und wahrer Mensch“ auch für religiös (das heißt über ihre „Rückbindung“ (religio), also Bodenhaftung) Nachdenkende (den anderen ist es eh wurscht) zum Problem werden kann.
Das Christentum leugne Gott, werfen ihm die strengen Monotheisten vor. Es verehre nicht den „einen Allmächtigen“, sondern gleich drei – welch eine Blasphemie! „Drei in einem“ halten christliche Theologen dagegen, die aber im Grunde auch nur von einem aristotelisch verstandenen ersten Macher ausgehen, der als das unbewegte Eine all das werdende und vergehende Viele hervorruft und dem Vielerlei die Ziele (causae finales) vorgibt, daher allmächtig und allwissend sein muss. Augustinus, als Platoniker aus einer anderen Denkschule stammend aber nach den gleichen Prinzipien denkend, hat zwar nicht das erste aber das bekannteste frühe Buch über den Dreieinen Gott geschrieben (de trinitate). Darin bemüht er viele Metaphern, um Verständnis für das Paradox der Dreieinigkeit zu wecken. Die eingängigste ist wohl die Metapher der schöpferischen Tat, in der Kraft (Macht), Wissen (Können) und Liebe (Zweck) eine Einheit bildet. Freilich denkt auch er dabei zumeist an die eine schöpferische Tat, der alles sein Entstehen aus dem Nichts verdanken soll.
Aber, sollte man die Christen fragen, wie kann das Subjekt dieser einen, ursprünglichen schöpferischen Tat mitten in der Zeit („da Cyrenius Landpfleger in Syrien war“) am Arsch der damals anerkannten Welt (jedenfalls nicht in Rom oder Washington) in ärmlichen Verhältnissen geboren werden? Wie konnte der „wirkliche Gott“ „wirklicher Mensch“ (das dogmatische „homoousios“ bedeutet „substanz-identisch“) werden. „Nun“ – so könnten sich Frömmler um das Ärgernis herumdrücken – „so ganz banal menschlich ging es in Bethlehem ja auch wieder nicht zu, schließlich handelte es sich um das von Gott erwählte „Haus und Geschlecht Davids“ (David angeblich ein überführter Hurenbock, der Nebenbuhler aus dem Weg schaffte), und dazu wurde er noch von einer Jungfrau geboren, was einem von uns Nur-Menschen ja auch nicht geschieht, sondern nur den originären, altorientalischen Herrschern, (wie z.B. dem Hammurabi). Aber sind wir deshalb keine „wirklichen Menschen“ wie es vom Menschgewordenen ausgesagt wird? Über diese argumentative Klippe springen moderne Theologen mit einem Fallstrick. „Wirklicher Mensch“ das heißt, so wie der Mensch eigentlich sein sollte. Und flugs wird daraus die protestantische Betroffenheits-Theologie der Mitmenschlichkeit, die auf jede politische Verlogenheit hereinfällt, wenn sie nur alternativlos Maßnahmen „für den Menschen“ (z.B. die Energiewende) einfordert. – Und das angeblich im Sinn des wegen religiös-politischer Nicht-Linientreue Gekreuzigten?. Das Dogma sagt aber „wirklicher Mensch der Substanz nach“, und nicht maßgeblicher oder Idealmensch.
Wir haben oben nicht ohne Grund auf Aristoteles als einem der Prinzipale der christlichen Dogmatik verwiesen. „Antike Philosophie hat als Anfang (wörtlich „archä“ d.i. Prinzip, nach Maßgabe) abendländischer Philosophie den vorphilosophischen Mythos in Logos überführt. Es ist damit die Begründung wissenschaftlicher, vor allem methodischer Verfahren der Weltorientierung und Welterklärung gemeint.“ (Dr. Lutz Geldsetzer, so heißt der Mann wirklich, und was er in dem Satz beschreibt, ist nach Dr. K. H. Brodbeck nichts weniger als die Abstraktion des Geld-Setzens im Prinzip (philosophisch interessierte Köpfe finden unter den Namen bei Google das Nötige). Und weiter: „Die Unterwerfung aller Argumente unter mathematische und logische Regeln tilgt den Mythos nicht, sondern transformiert ihn. Das Wort (d.i. „mythos“, eigentlich: die metaphorische Erzählung) wird Begriff (logos) dadurch, dass es hinsichtlich seines Sinnes beweispflichtig wird. Die Einlösung dieser Pflicht besteht in der Herleitung, Ableitung, Konstruktion von Sinn aus anderem Sinn nach mathematischen und logischen Regeln.“ Das heißt, der gleiche Sinn, den der Mythos metaphorisch „in, mit und unter“ der Erzählung fassbar wenn auch nicht aussagbar macht, soll nun begrifflich, logisch dingfest gemacht werden. Wichtig an diesen Sätzen ist: es geht bei aller Weltorientierung und Welterklärung in erster, zunehmend verdeckter Linie um „die Sinnfrage“. Diese Einsicht ist in den Jahrtausenden abendländischer Philosophie und Wissenschaft in Folge der Abstraktion gewaltig unter die Räder gekommen. (Moderne Neurologen wie G. Roth oder W. Singer schalten die Sinnfrage mit komplizierteren Konstruktionen als sie die früheren Deterministen wie Laplace & Co anwandten aus: Der Mensch, ein fest programmierter Automat ein Getriebeteilchen im festgelegten Ablauf. Und wer legt fest? Da ist er wieder der Gott des Aristoteles nur eben als Zufall, der Markt, das Es des Passiv.)
Der philosophische Kopf unter den Evangelisten, Johannes, ging schon damals einen Schritt weiter als die abstrahierende abendländische Philosophie, denn: Dieser logos wurde sarx („Fleisch“, d.h. realer Mensch aus Fleisch und Blut und kein „Idealmensch“) lässt er sein Evangelium nach einem Vorspann beginnen. In diesem erklärt er, was er unter logos versteht. „Am Anfang (im Prinzip) war der Logos und der Logos war bei Gott und Gott war der logos…“ Über den Begriff „logos“ ist viel gerätselt worden. Nüchtern gesehen dürfte sich trotz des gewaltigen religionsgeschichtlichen Brimboriums um diesen Begriff ergeben, dass er das Konzept im Rahmen der schöpferischen Tat meint. Deshalb fuhr Johannes auch fort: „Alle Dinge sind durch dasselbe geschaffen“ und wechselt dann zur Metapher „Licht“ über, das Menschen erleuchten kann. Die Welt habe, meint Johannes, das Licht nicht erkannt, bis der Logos Mensch wurde und wir „seine Herrlichkeit, als die des eingeborenen Sohnes Gottes sahen.“
Und was hat das jetzt gebracht, sind wir nach diesem Trip in längst vergangene Denkbemühungen schlauer? Vielleicht etwas, wenn wir dem eine profane Überlegung, aus der die erwähnten Neurologen Roth und Singer ihre Ideologie beziehen, daneben stellen. Die Philosophen, die den Mythos durch den Logos ersetzt haben, gingen wie selbstverständlich davon aus, dass Sein und Denken identisch seien. Spätestens Quantentheorie und Neurowissenschaften haben den hartköpfigsten Materialisten aber belehrt, dass gerade dies nicht der Fall ist. Wir leben in einem Meer von elektromagnetischen und sonst welchen Feldern und Strahlungen und treffen mit unseren Sinnen darunter eine Auswahl. Aus dieser schaffen wir uns über unseren Kognitionsapparat (Sinne, Nervensystem, Gehirn) eine bunte, tönende Welt mit harten und weichen Gegenständen, die es „als solche“ nicht gibt. In dieser von uns in der Wahrnehmung eigens für uns geschaffenen Welt, können wir uns zurechtfinden und sie gestalten d.h. „erfolgreich“ darinnen wirken, wobei „erfolgreich“ Leben erhaltend und fördernd bedeutet.
Am Anfang unserer Welt stehen biologische Zellen, die Reize aufnehmen und darauf mit elektrochemischen Veränderungen reagieren. Im biologischen Kognitionsapparat aus eben solchen Zellen, werden weitergeleitete Reize bewertet, ob sie für das Überleben brauchbar unbrauchbar, nützlich oder gefährlich sind und wie darauf zu reagieren sei (fressen oder fliehen). Im Laufe der Evolution wurden aus der Einzelzelle und der sie reizenden Umwelt komplexe, hochdifferenzierte Organismen mit engstem Bezug auf ihre entsprechend komplexer vorgestellten Umwelten. Höher entwickelte Tiere schufen sich darüber hinaus ein Verständigungssystem, um sich gegenseitig bei der Erhaltung des eigenen und des Lebens der Gattung zu unterstützen (z.B. durch Warn- und Locksignale). Der entwickelte ausdifferenzierte, biologisch Sinnesapparat des Menschen schuf sich im Zuge dieser Entwicklung eine Sprache, die nicht nur der kooperativen Verständigung dient, sondern auch dazu, die individuell wahrgenommene Umwelt zu einer gemeinsamen zu machen, um sie für das gemeinsame Überleben immer treffender und bequemer umzubauen. Diese dient also nicht nur dazu, um sie gemeinsam optimal zu nutzen, sondern auch, um diese geschaffene Vorstellungswelt und die hinter ihr verborgenen Realitäten der Lebensbedingungen zu verbessern. Dies gelang zunächst für die sich verständigenden Kleingruppe, dann zunehmend für die Gattung Mensch und schließlich für die gesamte Biosphäre dieses Planeten und demnächst auch darüber hinaus, um Überleben und Entwicklung auf Dauer zu ermöglichen. Die Sprache erlaubt also allen, die ihrer mächtig sind, an der Ausdifferenzierung der Vorstellung von der Umwelt, der Optimierung der Reaktionen auf diese und an der Verbesserung der hinter der vorgestellten Umwelt wirksamen Realitäten zu arbeiten.
Wir kennen nicht die Welt, wie sie „an sich“ wirkt, sondern nur, wie wir sie uns aufgrund wahrgenommener und zusammengefügter Reize in unserer Vorstellung aufgrund unserer Individualitätsgrenzen überschreitenden Vernunft (von „vernehmen“ = hören = Wort) kollektiv schaffen (aus dem Meer der verwirbelten Kraftfelder „schöpfen“). In dieser geschaffenen Welt gibt es einen quasi objektiven Sinn: die Erhaltung und Förderung des Lebens. Er ist aus der biologischen Funktion aller wahrnehmenden Weltschöpfung in der Vorstellung abgeleitet. Denn ohne diese funktionale Aufgabe gäbe es keine Wahrnehmung und damit keine Schöpfung (Vorstellungswelt). Dieser liegt das Reiz-Reaktions-Gestaltungs-Schema als prima causa (erste Ursache) zugrunde. Die Intersubjektivität des sprachbegabten Menschen enthält also eine quasi objektivierbare ethische Maxime: die sich verständigende Zusammenarbeit der Menschen zur Bewältigung dieser Sinn-Vorgabe. Der Begriff „Liebe“ würde diesen Komplex in der ihm eigenen Komplexität metaphorisch umreißen.
Wenn Sinn und Zweck scheinbar objektiv in der biologischen Struktur unserer Welt vorgegeben sind, stellt sich die Frage: Warum trifft man ihn im Bewusstsein des modernen Menschen kaum mehr und höchstens nur in sentimentalen verschütteten Daseins-Nischen an. Zur Erklärung dessen spricht der oben bereits erwähnte Ökonom Brodbecker das durch das Geld-Tauschsystem geprägte Denken an, die Berechnung des “do ut des”, des Marktes in unseren Köpfen. Nach Brodbecker soll das „Geld-Denken“ der Abstraktion, dem Logos, der logischen Rationalität des Menschen vorausgehen. Das mag mir nicht recht einleuchten. Eher ist es so, dass der nicht-menschgewordene Logos zur Abstraktion des Denkens hindrängt, die die Vergleich- und Berechenbarkeit und damit auch das Geld als abstrakte, rechtlich „gerechte“ Zurechnungseinheit schafft. Damit erschöpft sich zunehmend das Wollen (Sinnverwirklichung) im abstrakten Mehrwollen, das sich am reinsten in der Geldgier als abstrakter Ersatz für Glück (Sinnerfüllung) manifestiert. Den Fortschritt des logos in die Aporie, die Ausweglosigkeit und Ratlosigkeit mit dem Scheitern des im Logos verdeckten Sinns im Unsinn, erleben wir zur Zeit in einer unübersehbaren Deutlichkeit.
Ob wir endlich die Menschwerdung des Logos schaffen und zu unserem schöpferischen Sinn zurückfinden werden?






Ob wir endlich die Menschwerdung des Logos schaffen und zu unserem schöpferischen Sinn zurückfinden werden?
…fragt der Autor vom Spatz…,
…ich glaube nein. Auch schon alleine durch ein Indiz, daß 6 bis 7000 Menschen heute am Heiligabend in Bielefeld auf die Straße gehen um als “gute” Menschen gegen ca. “” fünfzig “” Andersdenkende zu demonstrieren. Auch und gerade bei Aufruf hierzu durch die evangelische Kirche!!
… “ich glaube nein” sagt Wolfgang Adler …
Ich glaube ja, sofern man erkannt hat, dass der Mensch kein Herden- sondern ein Rudeltier ist.
Zurück also zu den Prinzipien alter Stammeskulturen. Das Gute daran: Jeder kann SOFORT damit anfangen, ganz ohne Staat und dessen Erlaubnis. Mit allen Freiheiten und ohne Zwänge.
Mein Namensvetter hat noch geglaubt, selbst ein Gott zu sein.
Im Christentum hat der Mensch nicht mehr die Möglichkeit, zu einem Gott zu werden (oder besser aufzusteigen).
Da wir Europäer von den Griechen und den Juden maßgeblich geprägt wurden (die Kultur übernommen haben), sind wir quasi zweigeteilt.
Auf der einen Seite der “sündige” Mensch, der nur durch seinen Glauben an Jesus (vor dem ewigen Fegefeuer) gerettet werden kann.
Auf der anderen Seite der “gottgleiche” Mensch mit dem Streben, seinen Machtbereich (im Himmel und auf Erden) ständig zu erweitern.
Egal für welche Seite man sich entscheidet, es gibt schwerwiegende Nachteile und überwältigende Vorteile.