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Der Spatz im Gebälk

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Global-Strike, Hiroshima, Kalter Krieg,

14. August 2010 von admin

„Einst, im schönen Monat …“ August

„Geschichtsunterricht? Wie überflüssig! Was lässt sich damit schon verdienen!“ Deshalb wird Geschichte an der modernen „demokratischen Leistungsschule“ kaum mehr gelehrt und wenn, dann wie eh und je nur zum Nachplappern „bereinigt“. Geschichtskenntnisse könnten, wenn man ein wenig näher hinsieht, auch immunisieren, um nicht mehr auf das wohlfeile Lächeln der viel („Freiheit, Friede Wohlstand“) versprechenden Politiker hereinzufallen. Im August pflegen sich Japaner an Hiroshima zu erinnern. Auch in Deutschland zieht so mancher die Betroffenheitsmine auf, empfindet tief mit den unnötigen Opfern, um sich und andere in der Ablehnung der Kernenergie zu bestärken. War das dann schon alles, was man aus dieser Geschichte lernen konnte?

Am 6.8.1945 fiel die erste Atombombe auf eine Stadt in einem gebrochenen Land, das sich seit Wochen vergeblich um die Beendigung des Krieges bemüht hatte. Dass das tatsächlich der Fall war, ist bekannt, wenn auch vielleicht nicht Ihnen als Mediengläubigem, und sogar dokumentarisch belegt. Die verheerende Wirkung fiel wie erwartet aus und war erwünscht schockierend. Aber damit nicht genug, am 9.8 wurde ein zweiter Atombomben Test über einer anderen Stadt des gleichen Landes durchgeführt. Es traf ja nur abartige Gegner of Gods own Country also keine „wirklichen Menschen“. Im Oktober des gleichen Jahres wurde deutlich gemacht, warum die Annahme der Kapitulation hinausgezögert wurde, und wem der Abwurf der beiden Bomben eigentlich gegolten hatte.

Der US-Präsident befahl nämlich einen Angriffsplan „Operation Totality“ auf die Sowjetunion auszuarbeiten. Er wurde bereits im Dezember 1945 von General Eisenhower mit dem Titel „Strategic Vulnerability of the USSR to a Limited Air Attack“ (JIC 329/1, ABC Russia Sec. 1-A, RG 165, NACP – JIC für Joint Intelligence Committee, Vorläufer und dann Konkurrent der CIA)“ vorgelegt. Der Plan sah einen atomaren Angriff auf 20 Städte des einstigen „Verbündeten“ vor, der die Hauptkosten in dem riesigen Geschäft „Zweiter Weltkrieg“ für den Westen zu tragen hatte, mit dem man aber den Ertrag nicht teilen wollte. Ein Angriff war vorzusehen, „falls es den Anschein haben sollte, dass sie (UdSSR) möglicherweise die Fähigkeit entwickeln sollte, to rebuff an U.S. attack.“ Man sprach von “preventive war.” “Für die profitabelsten Ziele eines Angriffs mit Atombomben werden eine Auswahl an vermischten Industriegebieten mit einem hohen Anteil an Forschungs- und Entwicklungszentren, hochspezialisierten Industriebetrieben und entscheidenden Regierungs- und Verwaltungs-Personen vorgeschlagen. Diese Auswahl würde das maximale Vermögen dieser Waffe ausnutzen und die schnellsten, direktesten und sichersten Wirkungen auf die unmittelbaren Angriffsmöglichkeiten der Sowjetunion haben.“ Ausgewählt wurden die Städte Moscow, Gorki, Kuibyshev, Sverdlovsk, Novosibrisk, Omsk, Saratov, Kazan, Leningrad, Baku, Tashkent, Chelyabinsk, Nizhni Tagil, Magnitogorsk, Molotov, Tbilisi, Stalinsk, Grozny, Irkutsk und Yarolavl. Sogleich begann die US-Air-Force, den Abwurf von Atombomben in größerem Stil zu üben.

Der Plan sollte nicht nur – wie man uns damals glauben machte – für den Fall gelten, dass die Sowjets nach Europa vordringen sollten. Als die Russen nämlich auf der vorher vereinbarten Zusage beharrten, am persischen Öl beteiligt zu werden, und zu diesem Zweck Truppen bereithielten, die zwischenzeitlich in Aserbaidschan für einen „Arbeiter- und Bauernstaat“ sorgten, drohte Truman mit einem Atomangriff innerhalb von 48 Stunden, wenn die Truppen nicht binnen 24 Stunden zurückgezogen würden. Stalin gehorchte, vom Öl bekam er nichts, und wusste nun, worauf Verträge mit dem Westen beruhen. Seltsam nur, dass im Fall Polen und Tschechoslowakei dieser „effektive“ Druck damals nicht ausgeübt wurde. Lag das am fehlenden Öl oder dem Wunsch, Europa bis zur geglückten Gehirnwäsche seiner Bürger möglichst nieder zu halten?

Am 5. März 1946 hielt dann Winston Churchill, nach dem ihm eingefallen war, dass er „das falsche Schwein geschlachtet“ hatte, in Fulton Missouri seine berühmte „Eiserner Vorhang“ Rede und die entsprechende Containment-Strategie. Den „iron curtain“ hatte er schon am 12. Mai 1945, also noch vor dem Atombombenabwurf, telegrafisch mit dem US-Präsidenten abgesprochen. Nach dieser Rede wurde die US-Planung als Operation Pincher (Juni 1946) auf einen Angriff mit 50 Atombomben erweitert. Allein es fehlten die erforderlichen Bomben. Ihre Anzahl war so geheim, dass sie damals sogar den Kriegsplanern vorenthalten wurde. In den Arsenalen befanden sich 1946 ganze 9 Bomben.

Mittlerweise sorgten Diplomaten und Medien dafür, dass aus dem eben noch gepriesen Verbündeten der teuflische Buhmann wurde, den freie Westler vorgeführt bekommen wollen, um einen Krieg „in Kauf“ nehmen zu dürfen. Das ging damals rascher als heute mit Ahmadineschad oder vor diesem mit dem ebenfalls einst Verbündeten Saddam Hussein. Schon am 30.1. 1948 konnten US-Medien ungeschoren mit der Veröffentlichung einer Karte bluffen, die den Einsatz der mit Atombomben bestückten B-29 vom US-Stützpunkt Wheelus Air Base in Libyen aus darstellte. 1948, als die Planung unter Operation Bushwacker noch einmal erweitert wurde, wollte man, nicht mehr nur Städte bombardieren, sondern sah „the occupation of the USSR and the establishment of a puppet government“ vor. Damals gab es zwar bereits 50 dieser Bomben, aber es war noch nicht sicher, wie die B-26 ihre Ziele unbeschadet erreichen konnten. (Vgl. Michio Kaku, Daniel Axelrod, To Win a Nuclear War. The Pentagon’s Secret War Planes, Southend Press, Boston, 1987)

Am 29. – wieder August – 1949 zündeten dann die Sowjets auf ihrem Versuchsgelände Semipaltinsk ihre erste Atombombe, und schon am 12.8. 1953 ihre 1. Wasserstoffbombe. Damit war der Traum der Weltherrschaft der westlichen Demokraten vorerst vom Tisch und entsprechende Kriegspläne Makulatur geworden. Nun mussten ganz neue Pläne geschmiedet werden. Schon 5 Tage vor dem Test, am 24. 8. 49 war der NATO-Pakt der 12 westlichen Gründungsmitglieder in Kraft getreten. Sein Gegenstück, der Warschauer Pakt, wurde am 14. Mai 1955 von acht Staaten unterzeichnet. Die letzte dieser angepassten Planungen (die ständig erneuert und verfeinert werden) führte zur Revision des Unified Command Plan des Pentagon vom 10.1.2003 unter dem bezeichnenden Operationsnamen Global-Strike, der die Aufgaben des Strategischen Kommandos der USA (USSTRATCOM) wie folgt umschreibt: „Vorlage einer ganzheitlichen Planung für einen weltweiten Schlag und die Hilfestellung bei Führungs- und Lenkungsaufgaben, um rasche kinetische und nicht-kinetische Präzisionskampfmittel erhöhter Reichweite zur Unterstützung von Zielsetzungen auf auswärtigen Kriegsschauplätzen und im Land selbst bereitzustellen.“ Die militärische Durchführung regelt der Contingency Plan 8022 (CONPLAN 8022), der im Herbst 2004 in Kraft trat. Damit reagierte man auf den Niedergang der Sowjetunion und den drohenden Aufstieg Chinas.

Wird man noch einmal warten, bis sich, wie im Falle der Sowjetunion, das window of opportunity zu einem großen Weltkriegsgeschäft wieder schließt, ein Geschäft, das die Weltbevölkerung im Sinne von NSSM 200 auf das gewünschte Maß von nicht über 1 Mrd. Menschen drücken würde? Eine solche Frage könnte nur beantworten, wer das Risiko überblickt – und wer außer „Insidern“ könnte das?

Zu denken gibt allerdings die Einschätzungen von Jewgeni Satan-owski (ob der wirklich so heißt?), Direktor des Nahost- und Israel-Instituts Russlands, und Gejdar Dschemal, Vorsitzender des Islamischen Komitees Russlands, die sie am 10.8. bei einem „Runden Tisch“ über die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten in Moskau äußerten (RIA Novosti am 10.8.). Beide halten einen militärischen Konflikt zwischen dem Iran und einigen arabischen Ländern auf der einen und Israel auf der anderen Seite für unvermeidbar. Dieser Konflikt könnte – ihrer Meinung nach – bereits in diesem Herbst beginnen. Die jüngsten Grenzkonflikte deuteten daraufhin. Dschemal glaubt, Israel werde den Konflikt provoziert, aber nicht direkt, sondern über dritte Länder. Er nennt keines, aber jeder denkt leichtfertig an Georgien. Doch das muss nicht stimmen. Satanowski meinte, näher lägen die “instabile Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon.” Auslöser könnten z.B. Raketen sein, die von Libanon aus nach Israel geschossen werden und von denen niemand weiß, wer in wessen Auftrag solche Schüsse abgibt, die dann unbesehen der Hosbollah oder irgendwelchen Palästinensern in die Schuhe geschoben werden. Satanowski will den nächsten Krieg nicht mehr als einen arabisch-israelischen bezeichnet sehen. Es werde ein Krieg zwischen Iran und Israel sein. Aber wird er sich auf diese Länder beschränken lassen? Der jüngste Militäraufmarsch im Südchinesischen Meer deutet andere Dimensionen an.

Nach der Analyse „Die Geopolitik des Iran“« von George Friedmans STRATFOR (dem geo-strategischen Thinktank der USA) vom 27. 2. 2010 häufen sich die Ankündigungen eines US-Israel Überfalls auf den Iran auf zahlreichen blogs. Z.B. „Israel könnte nach Einschätzung des Journalisten Jeffrey Goldberg in der September-Ausgabe des US-Magazins The Atlantic den Iran bereits innerhalb der nächsten zwölf Monate im Alleingang angreifen und dabei auf “grünes Licht” der US-Regierung verzichten. Nach STRATFOR duldet die Islamische Republik keine US-Präsenz an ihren Grenzen und hat daher „ethnische und religiöse Spannungen in Irak und Afghanistan manipuliert, um die amerikanischen Positionen zu unterminieren, und dadurch die amerikanische Aufmerksamkeit eher auf defensive als auf offensive Zielsetzungen gelenkt. … Die heutige iranische Regierung sieht, dass die Vereinigten Staaten die Rolle Großbritanniens in den 1950er Jahren übernehmen, die damals ihre Position im Irak nutzten, um iranische Politik zu manipulieren und den Schah an die Macht zu bringen.“ Das sei Grund genug für einen US-Militärschlag, meint Friedman.

Der Iran vertraut, trotz der Annäherung von Russland und China an die US-Position in Sachen Iran, zuversichtlich auf ein zu großes Weltkriegsrisiko, vor dem die USA zurückschrecken würde – und macht weiter wie bisher. Was bleibt ihm auch anderes übrig. Doch antwortet der Iran auf die Sanktionen des Westens seinerseits mit Sanktionen. Das Land will den Euro und Dollar nicht mehr anerkennen (aufgrund der Sanktionen ist das logisch) und daher die Geschäftsverbindungen mit Europa (2009 Importe für 10,4 Mrd. € aus Europa, davon 3,7 aus Deutschland) einstellen. Die EU-Kommission hält das (typisch europaarrogant) für nicht ernst gemeint.

Dieses Stück Geschichte bietet ein Lehrstück über die Politiker, die Sie gewählt haben. Denn die sind alle in diese Art Vorgehen bewusst oder auch wegsehend eingebunden. Daran sollten Sie bei der nächsten Wahl denken – auch wenn es keine Alternative geben sollte.

Unversehens Hoffnung gibt es beim Klimaquatsch. Die FAZ hatte am 12.8. oben auf der Titelseite den Hinweis auf Mike Lockwood von der University of Reading. Der konnte zeigen, dass immer, wenn die Sonnenaktivität so schwach wie zur Zeit ist, die Zirkulation in den höheren Schichten der Atmosphäre erlahmt. Dies fördert lang anhaltende Extremwetterlagen und führt zu kalten Wintern (Südhalbkugel) und heißen Sommer (Zentraleurasien) und zu einem zu kurz greifenden Monsunregen (Südostasien). Wollte die „regierungsnahe“ Zeitung, den rot-grünen Steuergelüsten der schwarz-gelben Regierung Schwierigkeiten machen?

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