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Der Spatz im Gebälk

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STRATFOR, Russland, US-Militär, US-Pläne, Club of Rome zum Klima

16. Januar 2010 von admin

„Die nächsten 100 Jahre“

Wer wüsste nicht gerne, was in den nächsten 100 Jahren auf die Menschheit zukommt. Wahrscheinlich würden wir uns schon mit dem Wissen um die nächsten 10 oder weniger Jahre begnügen. Doch bleibt uns in solchen Fragen aus einem einfachen Grund nur Achselzucken. Wir machen und bewirken nicht das, was uns bevorsteht, auch kennen wir nicht die Leute, die das können und tun. Deshalb wissen wir es nicht und können nur das glauben, was uns die Macher weitersagen oder was wir gerne glauben würden.

Anders steht es um die Denkfabrik Strategic Forecasting Inc. oder nur STRATFOR. Sie wurde in dieser Form 1996 in Austin, Texas von George Friedman einem Leitenden US-Geheimdienstmann gegründet und seitdem wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt. Zwar stellt Stratfor der breiten Öffentlichkeit auch kostenlos Berichte zur Verfügung. Ihr Geld verdient die Firma mit Exklusivberichten zu vielen, meist weltstrategischen Themen. Diese werden zu unterschiedlichen, mitunter sehr hohen Preisen und entsprechend abgestuften Inhalten Machthabern in Politik, Wirtschaft und Medien mündlich oder schriftlich, jedenfalls streng vertraulich überlassen. Die Vorhersagen von Stratfor sollen sich in der Vergangenheit meist als zutreffend erwiesen haben. Deshalb nannte Jonathan R. Laing Stratfor am 17.9.07 in Barron`s Magazine auch “The Shadow CIA” (Die Schatten CIA).

Der Boss, Friedman, hat nun im August 09 sein neuestes Buch mit dem verheißungsvollen Titel: The Next 100 Years: A Forecast for the 21st Century vorgelegt. Er bedient sich – ähnlich wie sein Vorgänger Carroll Quigley in Tragedy and Hope – nicht der schleimigen Heuchelei, mit der in der Regel hierzulande die US Politik und ihre Absichten beschönigt werden. Seine nüchterne Ausdruckweise wird ihm wie schon Quigley oft als Kritik ausgelegt. Das ist sie jedoch nicht. Friedman ist kein „Kritiker“ der US-Macht. Er denkt für sie. So sagt er zum Beispiel in dem Buch unumwunden, die USA tuen, was in ihrer Macht stehe, um das Wiedererstarken einer nationalen russischen Macht zu verhindern und knüpfe nur dazu Beziehungen zu den osteuropäischen Staaten, vor allem zu Polen. Sie ermutigten Unruhen in den Grenzregionen Chinas und verwendeten zu ihrer Rechtfertigung die „Ideologie der Menschenrechte“. Sie führten direkte oder Stellvertreterkriege von Somalia bis Serbien, vom Irak bis Afghanistan. Dabei werde der Erfolg nicht an der Befriedung der Länder nach einem Sieg gemessen, sondern an deren Zersetzung („but by its disruption“). In dem Maße, in dem sie die Eurasische Landmasse gespalten hielten, so dass dort Unruhen und Uneinigkeit herrschen, hätten die USA ihre „Mission“ erfüllt. Irak sei dafür beispielhaft. (Was etwas über die Hintermänner so mancher Terroranschläge in dem Land sagt). Die US Absichten zielten auf Bürgerkrieg. Das gelte übrigens auch im Hinblick auf Old Europe. Das sind üble Anschuldigungen. Aber Friedman sieht es anders. Dies ergebe sich schlichtweg aus der geopolitischen Lage und Notwendigkeit der USA.

Friedman erweist sich damit – wie übrigens auch Zbigniew Brzezinski, der Führungsoffizier des Friedenspräsidenten Barack Obama – als Vertreter der „wissenschaftlichen“ Geopolitik, wie Sir Halford Mackinder, Karl Haushofer und der sogenannte „Hofjurist Hitlers“ Carl Schmitt. Es ist die geographische Lage, die den USA heute die gleiche Rolle für die Welt zuweist, die England für Europa gespielt hatte. Friedman sieht in den 2020er Jahren allerlei Konflikte aufbrechen. Der wichtigste sei der militärische zwischen dem wieder erstarkenden Russland und den USA, welchen die USA für sich entschieden. Ein anderer wird zur Aufspaltung Chinas in viele einander bekämpfende Teile führen. Die dreißiger Jahre würden von einer neuen noch verheerenderen Finanzkrise überschattet, an die sich der Dritte Weltkrieg zwischen Japan und der Türkei, die das Erbe Chinas und der islamischen Staaten antreten, auf der einen und den USA mit ihrem treuesten Verbündeten Polen, dem das Erbe Russlands zugespielt wird (nachdem es in der Ukraine wohl nicht geklappt hat) auf der anderen. Von Europa wird dann nicht mehr die Rede sein. Dem letzten Weltkrieg und allerlei geringeren Krisen in den USA folgt der unumstößliche Aufstieg der USA als alleine bestimmende Weltmacht. Friedman flechtet in sein Buch allerlei Science Fiction Erwartungen, zum Beispiel über die künftige Energieversorgung per Sonnenenergie aus dem All ein. Interessanterweise verliert er kein Wort über eine mögliche Klima-Katastrophe.

Das Buch hat seinen Verfasser oder dessen Auftraggeber wohl nicht zufriedengestellt und so sei ihm zum Jahreswechsel 2010 ein weiterer Bericht gefolgt, schrieb die Zeitung “Iswestija” am 13.1., ohne diesen näher zu benennen. Nach dem Bericht würde Russland zunächst einen beispiellosen Machtzuwachs erzielen und seiner Position im nachsowjetischen Raum wieder festigen. Der Westen könne dies wegen seiner Probleme mit Afghanistan, Irak, Iran und Nordkorea nicht verhindern. Der Verfasser des Iswestja-Artikels, Professor W. Nikonow, kommentierte, dies sei zwar möglich aber es gehe der Stratfor-Prognose eigentlich eher um Denunziation und die Aufforderung zum Containment Russlands, wie nach dem zweiten Weltkrieg. Den westlichen Staatsoberhäuptern werde nämlich eine falsche Gutmütigkeit angesichts der wachsenden Drohung: “Die Russen kommen!” unterstellt.

Im typisch russischen Wunschdenken will er in der Prognose aber eher eine bereits auf die US-Zwischenwahlen im November abzielende Attacke auf Barack Obama sehen. Diesem werde Weichheit gegenüber Russland vorgeworfen, weil er die Beziehungen zwischen Russland und den USA besser gestalten wolle und in der kommenden Unterzeichnung des neuen START-Vertrags seinen größten außenpolitischen Erfolg sähe. Ob sich der bekannte Politologe Nikonow (Jg. 56), Chefredakteur der Zeitschrift „Russia’s Strategy“, Präsident der Stiftung “Politika”, der in unzähligen Beratergremien der Moskauer Machtelite sitzt, der aber auch Mitglied der Carnegie Endowment for International Peace ist und am California Institute of Technology in Pasadena gelehrt hatte, da nicht doch irrt?

Einige bekannte Fakten sollten ihm und seinen Kollegen zu denken geben: Die USA stellen etwa 4% der Weltbevölkerung aber 41% aller offiziell bestätigten Militärausgaben der Welt. Sie unterhalten 1.445.000 aktive Soldaten und 1,2 Millionen Nationalgardisten und andere Reservisten. Etwa 30% der Soldaten in Afghanistan und im Irak sind Reservisten. Dazu beschäftig das US-Verteidigungsministerium weltweit über 800.000 Zivilangestellte. Das Personal ihrer privat-militärischen Condottiere, wie Blackwater, ist nicht mitgezählt.

Die USA unterhalten in 128 Staaten, auch in Israel, insgesamt 820 Militärbasen mit den entsprechenden Soldaten und Waffen. Sie haben erst kürzlich sieben neue Basen in Bulgarien und Rumänien errichtet und vor wenigen Tagen in Polen die Stationierung von Patriot-Raketen und landgestützte Aegis Standard Missile 3 / SM-3 vereinbart. Ebenfalls sieben neue Militärbasen werden in Kolumbien ausgebaut. Im Camp Lemonier in Dschibuti, dem ersten dauerhaften US-Militärstützpunkt in Afrika, sind 2.400 Soldaten für regionale Operationen stationiert. Einheiten, die kürzlich AFRICOM, der US-Kommandatur für Afrika, unterstellt wurden, sollen “bereits zur Unterstützung von Trainingsmissionen in Uganda und Mali eingesetzt worden sein“. Veröffentlichungen der Houthi-Rebellen Jemens vom 15.12.09, also noch vor dem Anschlag des „Unterhosenbombers“ in Detroit, beschuldigen “die US-Air Force, an Luftangriffen gegen sie beteiligt gewesen zu sein und mindestens 120 Menschen im Norden dieses arabischen Staates getötet zu haben”. ABC NEWS meldeten am 18.12.09: “Auf Befehl Präsident Barack Obamas startete das US-Militär am Morgen des 17.12.09 Marschflugkörper gegen zwei vermutete Al-Qaida-Lager im Jemen”. Houthi-Rebellen sind Schiiten, sie als Al-Qaida auszugeben, heißt, die Kunden für blöd halten.

Roger A. Brady, der Kommandeur der US-Air Force in Europa und der NATO Allied Air Component (mit Sitz in Ramstein), inspizierte die Kaukasus-Staaten Aserbaidschan und Georgien, bevor dort der nachgereiste republikanische US-Senator John McCain am 10.1.10 dort mit Ehrungen der Regierung überhäuft wurde. Brady hat danach auf dem Übungsflugplatz Adazi in Lettland mit den Verteidigungsministern der baltischen Staaten Lettland Estland und Litauen Pläne zu “einer engeren militärische Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen zwischen dem Baltikum und den USA besprochen” (RIA Novosti, 14.12.09). Alle besuchten Staaten grenzen an Russland.

Die Präsidenten Polens, Aserbaidschans und der Ukraine, Rumäniens, Bulgariens, Turkmeniens und Kasachstans, sowie Spitzenpolitiker der baltischen Länder, nahmen am 14.1. an einem Energiegipfel in der georgischen Stadt Batumi teil. Laut Nachrichtenagentur Trend sagte dazu Georgiens Energieminister Alexander Chetaguri u.a.: Dieser Gipfel gelte der Entwicklung des Südlichen Energiekorridors, um neben Polen und Ukraine auch die Länder Westeuropas unter Umgehung Russlands mit Energieträgern aus dem Raum des Kaspischen Meeres zu versorgen. ‚Darüber hinaus soll das Gasprojekt Nabucco (mit Joschka Fischer als einem der Manager) zur Sprache gebracht werden. Auch dieses 7,9 Mrd. € teure Projekt sieht Gaslieferungen aus dem Raum des Kaspischen Meeres und des Nahen Ostens in die EU-Länder an Russland vorbei vor‘.

Bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises am 10. Dezember nannte der US-Präsident sein Land: “die einzige militärische Supermacht der Welt”. Solche Aussagen sind ein Programm und passen in die Perspektive George Friedmans

Es ist – wie es scheinen mag – kein Bruch, wenn ich noch kurz auf die Klimakatastrophe eingehe. Wenn Sie aus dem Fester sehen und dort Eis und Schnee sehen, leiden Sie an Halluzinationen. Und wenn Sie in seriöseren Nachrichten zu verstehen glauben, die gesamte Nordhalbkugel, aber nicht nur die, leide derzeit unter Rekordkälte, dann zeigt das nur, dass Sie verwerflichen Klimaskeptikern aufgesessen sind, was bei Ihnen zu Sinnestäuschung geführt haben muss. Denn tatsächlich leidet die Welt, wie der Konsens aller staatstragenden Wissenschaftler UN-wissenschaftlich belegt, an den Vorläufern der drohenden globalen Erwärmungskatastrophe. Doch Spaß bei Seite! Es geht der UNO nicht um Klima. Friedman hat sie in seinem Programm für die nächsten 100 Jahre nicht einmal erwähnt.

Worum es dabei eigentlich geht, erklärt die am 26.10.09 erschienene Studie eines D.P. van Vuuren und A. Faber (http://www.pbl.nl/en/publications/2009/Growing-within-limits.-A-report-to-the-Global-Assembly-2009-of-the-Club-of-Rome.html) für genau den Club of Rome, der uns 1972 mit der sich pandemisch ausbreitenden Umwelthysterie infiziert hatte.

Neben Energie, Klima und sonstigen Umweltproblemen ist “der Hauptgegenstand (der Studie laut Einleitung) die Herstellung der institutionellen und politischen Bedingungen für eine nachhaltige Wirtschaft, … „to bring about a fundamental transition and lifestyle changes“ … “Effektive politische Maßnahmen verlangen in diesem Kontext weitgesteckte Ziele und strikte Regulierungen. Die laufende Wirtschaftskrise könnte die Gelegenheit bieten, diesen Übergangsprozess (im Weltmaßstab) voranzubringen… denn ein integrated approach is crucial.“ Wie kann man Ihren „Lebensstil grundsätzlich ändern“, Ihnen auf freiwilliger Basis den Gürtel kräftig enger ziehen; darum geht es, das ist es, was Schellnhuber und Rahmstorf, die Bundesregierung, die EU, die UNO, die Medien im Auftrag derer, für die Friedman denkt, mit ihrer Klimapolitik eigentlich anstreben. Die angestrebte politische Institution ist eine Weltregierung auf US-Bajonetten, wie sie George Friedman für die nächsten 100 Jahre anstrebt.

Sagen Sie nicht, „das geht mich nichts an, weil ich bis dahin tot bin.“ Der Übergang fing bereits Weihnachten 1913 mit der Gründung der Federal Reserve Bank nach den Vorstellungen eines Paul Warburg an und ist aufgrund von Unkenntnis und selbst auferlegter Unmündigkeit mit zwei Weltkriegen und zahlreichen politischen „Katastrophen“ schon weit vorangekommen – soweit, dass Stratfor dem gemeinen Volk den Plan (allerdings mit Propaganda durchsetzt) für nur 25$ zum Verkauf anbieten kann.

Helmut Böttiger

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